Reprise Teilnehmer, Markus J., 45 Jahre, St. Gallen

 

Die Kraft des Gehens nutzen, um entscheidende Schritte weiterzukommen

 

Fünf Teilnehmer, jeder mit seinem Anliegen, jeder mit seinen drängenden Fragen, eine Woche lang zu Fuss unterwegs auf dem Jakobsweg in der Schweiz. 20 Kilometer beträgt die durchschnittliche Tageswegstecke, verteilt auf kleinere Etappen über den Tag. Bei Sonnenschein, Wind und Regen: Wie im richtigen Leben. Besondere Sportlichkeit ist nicht erforderlich, gute Gesundheit und etwas Ausdauer hingegen allemal.

 

Nach dem Frühstück bis zum Picknick am Mittag gehen wir bewusst im Schweigen. Wir üben uns in Achtsamkeit, hören den inneren Stimmen zu. Wenn der äussere Lärm wegfällt, erscheint der innere Lärm besonders laut. Der Rhythmus des Gehens hilft, die Gedanken zu beruhigen.

 

Verschiedene Impulse des Coaches regen zum Nach-Denken und Ver-Arbeiten an. Das leere Notizbuch füllt sich während den längeren Gehpausen. Längst Gedachtes fällt aufs Papier, schafft Ordnung und macht Verborgenes deutlich. Ein Mittagsschläfchen unter freiem Himmel trägt die Gedanken fort, lässt mich schweben, während ich mit dem Boden fest verbunden bleibe.

 

Beim Gehen am Nachmittag werden Erfahrungen und Zukunftsperspektiven zwischen den Teilnehmenden und in der Gruppe ausgetauscht. Gedachtes wird gesagt und gehört. Niemand ist wirklich erstaunt, wie ähnlich und verbindend die Fragen sind, an denen die Teilnehmer arbeiten. Sie können einander als Ressource zur Verfügung stehen. Ich bekomme wertvolle Anstösse, die Perspektive auf mein eigenes Thema zu erweitern.

 

Einfache Gasthöfe in Dörfern und betriebsamen Städtchen bieten uns Unterkunft. Täglich packe ich meinen Rucksack. Der weise Wanderer reist mit leichtem Gepäck. Neun Kilo sind es. Das Verlassen der urbanen Geräuschkulisse, das Eintauchen in die Stille der Wälder und Wiesenlandschaften ist wohltuend, macht fast ein bisschen süchtig.

 

Allmählich weitet sich mein Inneres. Die Schwere gewisser Themen weicht der Leichtigkeit des Momentes. Alles scheint da zu sein, was es für meinen nächsten Schritt braucht. So weit weg vom Alltag bin ich doch ganz da und erkenne: Die Antworten finden mich, wenn ich ihnen die Möglichkeit gebe, sich zu zeigen. Ich sollte weniger suchen, mich dafür mehr finden lassen. Ich beginne zu verstehen, wie erleichternd dies für mich ist.

 

Was nehme ich mit? Nebst einem klaren Bild des nächsten Schrittes in meinem Berufsleben habe ich erlebt, wie wichtig es ist, mir für mich immer wieder einmal Zeit zu nehmen. Das Projekt „Ich mit mir“ ist kein Egotrip. Im Gegenteil: Egotrips entstehen, wenn ich aus der Balance von Arbeiten und Ver-Arbeiten kippe und mich in dem, was ich tue, mehr und mehr Fremdsteuerung empfinde. In der woche53 bin ich mir selbst wieder ein Stückchen näher gekommen, wodurch ein klarer Blick auf meine Berufslebens- und Privatsituation entstand. Ich fühle mich von innen heraus gestärkt und erneuert und tauche voller Freude und Lust wieder in den Alltag ein.