Die innere Ordnung gibt unserer Psyche Struktur

Das Bild der inneren Ordnung bzw. Unordnung kommt aus der Psychologie. Für innere Ordnung zu sorgen ist also kein moralischer Appell im Sinne von: "Du bist unordentlich, mach mal sauber". Bei der inneren Ordnung geht es um die Hygiene unserer Psyche, die wir uns wie ein feinstoffliches, recht verletzliches Körperteil vorstellen können.

 

Dieser "psychische Körper" besteht aus einer Kombination von Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen. Ein diffuses Unwohlsein, innere Unruhe, Bedrücktheit, aber auch Schlafstörungen oder Rückenschmerzen sind Phänomene, die darauf hinweisen können, dass die Psyche nicht mehr genügend Ordnung findet. Man kann sich die eigene Psyche dann wie ein hilfloses (inneres) Kind vorstellen, das von uns beachtet und unterstützt werden will.

Ein zentraler Grundsatz der Psychologie lautet: Psyche folgt Struktur. Bei der inneren Ordnung geht es also darum, der Psyche einfache Strukturen und Botschaften zu geben.

 

Zum Beispiel:

  • Meine Gedanken bestimmen einen grossen Teil meiner Gefühle. Das heisst, ich bin meinen Gefühlen nicht einfach ausgeliefert.
    ... Beobachte und erforsche für die innere Ordnung, welche möglicherweise unrealistischen Gedanken zu unangenehmen Gefühlen führen. Wenn du Gedanken ersetzt, kannst du angenehmere Gefühle erzeugen.
  • Da jeder Mensch unterschiedliche Persönlichkeitsanteile in sich vereint, ist es ganz "normal", dass ich in mir auch widersprüchlich bin.
    ... Schaff Ordnung indem du überlegst, welche Persönlichkeitsanteile dein Leben mitbestimmen. Wenn du gewissen Anteilen mehr Beachtung und Stimme gibst und die lauten "an die Leine" nimmst, kannst du ausgeglichener werden.
  • Ich kann fast jedes Wie ertragen, wenn ich ein Warum habe. Eine kraftvolle Lebensmission oder konkrete Lebensziele zu formulieren stärkt die persönliche Ausrichtung.
    ... Damit kannst du leichter entscheiden, worauf du Zeit und Energie ausrichtest, und worauf du verzichten kannst. Das schafft Ordnung, vor allem, wenn du regelmässig schaust, ob Absicht und Handlung im Alltag in die gleiche Richtung laufen.

Für die "innere Arbeit" des Ordnens ist es günstig, sich aus der Alltagswelt regelmässig und ganz bewusst zu distanzieren und von aussen zu schauen, was in Ordnung und was in Unordnung geraten ist, wo es also mein ordnendes Handeln braucht.

 

Die Vorweihnachtszeit steht vor der Tür. Mit Corona werden sich dieses Jahr möglicherweise zusätzliche Räume der Stille bieten, in der das innere Ordnung machen seinen Platz finden kann.