Schwellenarbeit

"Waaas, du wirst schon 60!? - Aber das ist ja nur eine Zahl - oder?" Ja, das stimmt. 60 ist nur eine Zahl und ein damit verbundenes Konzept von Annahmen. Aus meiner Sicht ist es ein hilfreiches Konzept, weil es eine Schwelle markiert, die für mich ordnend und klärend wirkt.  

 

Schwellen markieren den Übergang zwischen zwei Feldern, Phasen oder Zuständen. Wir überschreiten sichtbare Türschwellen, um in Häuser oder Räume und wieder hinaus zu kommen. Analog gibt es im Verlaufe unseres Lebens eine Reihe von Schwellen; mit Geburt und Tod die beiden existenziellsten. Doch auch bei jedem Einschlafen und Aufwachen überschreiten wir täglich Schwellen. Und im Verlauf des Lebens markieren Schwellen die Übergänge von einer Lebensphase zur nächsten. Da sind die Schwellen weniger klar erkennbar. Es sind eher Übergangsphasen.

 

Gewisse eindeutige Schwellen konstruieren wir auch selbst, z.B. eben die runden Geburtstage oder die Schwelle am Ende bzw. zu Beginn eines neuen Jahres zu Silvester. Das hat seine guten Gründe. An der Schwelle sind wir eingeladen, einen bewussten Schritt vom Bisherigen ins Neue zu machen; etwas abzuschliessen und etwas Neues zu beginnen.

Wer diese Einladung annimmt, ist mit "Schwellenarbeit" konfrontiert, wie Angeles Arrien dies in ihrem wunderbaren Buch "Acht Tore zur Weisheit" nennt. Es stellen sich Fragen: Was erwartet mich jenseits der Schwelle? Was ist das Anziehende? Was macht mich auch noch vorsichtig? Was will ich an der Schwelle zurücklassen, um ins Neue zu kommen? Was "muss" ich auf jeden Fall aufgeben? Und welches ist der erste Schritt, mit dem ich die Schwelle aktiv überschreite?

 

Vielleicht erwartet dich im Jahr 2020 eine Schwelle, auf die du dich bewusst vorbereiten möchtest? Ein runder Geburtstag, eine sich aufdrängende Veränderung im Beruf, eine neue Priorisierung oder eine sich abzeichnende Veränderung im Privatleben?

Mein 60. Geburtstag war für mich jedenfalls ein bewusster Schritt über eine Schwelle. Das Neue jenseits der Schwelle ist in meinem Fall die Erlaubnis an mich selbst, mir mehr Zeit für kreative Tätigkeiten zu nehmen. Diese Erlaubnis erneuere ich täglich beim Einstieg in den Tag. Und was wird mein übernächster Schritt sein? - Ich gönne mir im kommenden Jahr ein Sabbatical, ein kreatives "woche53-Quartal".