Ein Lob auf Fehler und Niederlagen

Viele leistungsorientierte Menschen machen nicht gerne Fehler. Darum wird häufig sehr viel Energie in die Vermeidung von Fehlern investiert. Dass dies nicht unbedingt die beste Taktik ist, wusste schon Theodor Fontane: „Wer aufhört, Fehler zu machen, lernt nichts mehr dazu.“ Und etwas später sang Ingrid Steger in ihrer unbeschwerten Art (Leute über 50 mögen sich noch erinnern): „Aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug!“.

 

Denn Fehler oder Niederlagen können zu wahren Lehrmeistern des Lebens werden. Und manchmal ergibt sich sogar ein neues Erfolgsprodukt daraus. So entstanden z.B. aus dem misslungenen Superkleber-Versuch eines 3M-Chemikers die genialen Post-it-Zettel. 

Eine vernünftige Fehlerkultur könnte also so aussehen: Fehler vermeiden, wenn dies mit vernünftigem Aufwand möglich ist. Wenn sie trotzdem passieren: nach vorne blicken und die Lehren draus ziehen (dies gilt natürlich nicht für Tätigkeiten mit 0-Fehler-Toleranz wie z.B. eine Herzoperation oder ein Flugzeug fliegen). Sich selber oder andern Vorwürfe zu machen, raubt oft nur die Energie, die nötig wäre, um weiter zu gehen.

 

Wenn mir ein Fehler passiert ist, versuche ich für mich nach dem ersten Ärger eine Umdeutung der Situation zu machen. Hilfreich sind mir dabei z.B. folgende Fragen:  

  • Was will mir dieser Fehler konkret lehren? 
  • Welche Chancen können sich aus dem Fehler ergeben? Was hätte ich ohne ihn verpasst?
  • In welcher Situation wäre dieser Fehler genau das Richtige gewesen?
  • Inwiefern kann dies für künftige Herausforderungen und Erfolge wichtig sein?
  • Was hat dieser Fehler mit mir zu tun? Was bringt er ans Licht?
  • Was würde meine beste Freundin zu mir sagen, wenn sie von diesem Fehler wüsste? Was Pippi Langstrumpf?
  • Was an diesem Fehler macht mich stolz?

Meist bin ich danach mit mir und meinem Fehler versöhnt und kann mich um die Lösung kümmern.seinen Körper und seinen Geist ernst nimmt, Körper und Geist quasi Gehör verschafft, damit der Energiehaushalt in einer guten Balance bleibt. Dazu gehört, sehr bewusst das Tempo im Leben immer wieder zu wechseln - von Höchstleistung zu totaler Musse, von Gas geben zu bremsen, von Anspannung zu Entspannung. Und die entsprechende Zeit dafür aktiv zu schaffen.

 

Viele glauben, dass sie keine Zeit für beschauliche Musse haben. Keine Zeit beispielsweise für eine persönliche Auszeit. Häufig ist aber das Gegenteil der Fall: Die Tage vieler Menschen sind auch deswegen bis ins Letzte  durchgeplant und durchgetaktet, weil wir uns gewissermassen vor der Leere fürchten.

 

Wie soll man sich eine Auszeit nehmen, wenn man schon gestresst ist? Wie Zeit finden, für ein ruhiges Morgenritual, wenn einem die Arbeit über den Kopf wächst? Paradoxerweise, wäre es gerade dann umso wichtiger…

 

Nur mit Abstand gewinnen wir neue Perspektiven, können wir vermeintliche Prioritäten im Alltag hinterfragen und werden wir unserer inneren Ziele wieder bewusster. Kurze Auszeiten und Selbstreflexion sind wirkungsvolle Mittel, damit wir unsere geschenkte Zeit und möglichst viele Augenblicke unseres kostbaren Lebens bewusst wahrnehmen und geniessen können.

Danièle Zatti