Die Seele ist das Spiegelbild des Körpers...oder war es anders herum?

Genau, der Körper als ein Spiegel der Seele ist ein seit langem geläufiger Ausdruck. Er beschreibt das Widerspiegeln von Gedanken und Gefühlen im Körper, meist non-verbal als Haltung, Mimik oder Gestik. Fühle ich mich traurig, so lasse ich gerne einmal Kopf und Schultern hängen. Fühle ich mich dagegen kraftvoll und erfolgreich, richte ich meinen Körper auf und strecke nach einer besonderen Leistung vielleicht sogar meine Arme zum Jubel in die Höhe. Übrigens ein Verhalten, das sich in der Tierwelt ebenfalls beobachten lässt.

Zahlreiche wissenschaftlichen Studien zeigen mittlerweile aber auch, dass umgekehrt genauso ein Zusammenhang besteht: dass die Seele ein Spiegel des Körpers ist! Haltung, Mimik und Gestik wirken sich auf Gedanken und Emotionen aus, und darauf, wie ich über mich selbst denke und fühle.

Die Wechselwirkung zwischen Gedanken und Emotionen und dem Körper wird in der Psychologie Embodiement (= Verkörperung) genannt. Vielleicht kennst du das Beispiel schon: wenn du lange genug lächelst, verbessert sich deine Stimmung, egal wie schlecht sie war. D.h. eine Körperhaltung einzunehmen ohne bereits die entsprechenden Gefühle zu haben schafft Raum. Sie kann so Gefühle und damit verbundene Gedanken ermöglichen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass eine Körperhaltung Gefühle und Einstellungen ‚verunmöglichen‘ kann. Ein Erfolgserlebnis wird in einer unentspannten, zusammengesunkenen Körperhaltung Emotionen wie Freude, Stolz und positive Gedanken deutlich schlechter ermöglichen als eine offene und aufrechte Haltung.

 

Kurz gefasst bedeutet das: Es ist eine wertvolle Übung die eigene Körperhaltung immer wieder wahrzunehmen und gegebenenfalls bewusst in eine kraftvolle und selbst-bewusste Haltung zu gehen. Damit verschaffst du deinem Denken und Fühlen - auch über dich selbst - Raum für Entfaltung.

 

Unter dem Titel "Your body language may shape who you are" gibt Amy Caddy einen aufschlussreichen Vortrag zum Thema Embodiment. Du findest ihn auf www.ted.com. Empfehlen kann ich auch folgendes Buch: Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen, Tschacher, Wolfgang et al., 2017

Monica Boos