Agilität und Stabilität - es braucht beides, um engagiert zu bleiben.

Unsere hochbewegte Welt verlangt von jedem von uns ein zunehmendes Mass an Agilität. Wenn du agil bleibst, kannst du deinen Beitrag in der Welt und damit ein Stückchen der Welt aktiv gestalten. Dieses Gefühl von Wirksamkeit erhöht die Freude. Wir können jedoch auch allzu agil sein und jedem Reiz nachspringen - und von denen gibt es vor allem seit der flächendeckenden Ausbreitung der sozialen Medien unendlich viele. Wer gewissermassen „überagil“ ist, läuft Gefahr, den Fokus zu verlieren. Getriebensein, Hektik und Beliebigkeit sind die Folge.

 

Wie in jedem lebendigen System, das langfristig überleben will, braucht es einen Gegenspieler, der die Dinge in Balance hält. Der Gegenspieler der Agilität ist die Stabilität.

 Einen gewissen Teil der Stabilität können wir von aussen bekommen, zum Beispiel durch gesellschaftliche Normen, Gesetze und staatliche Regeln. Die wirksamste Form der Stabilität ist jedoch die innere Stabilität. Um sie zu erhalten, braucht es scheinbar nicht viel:

1. Setz dich regelmässige und aktiv mit den folgenden Fragen auseinander: Was ist mir persönlich wirklich wichtig? Wofür will ich meine Lebenszeit investieren? Welche Konsequenzen bin ich dafür bereit zu tragen? Und handle ich auch danach? - Souveränität und Stabilität entstehen, wenn du bei allen unendlich vielen Möglichkeiten deinen eigenen Weg gehst. Leg dir ein Notizbuch an und schreibe deine (vorläufigen) Antworten auf die Fragen auf. Das unterstützt die innere Stabilität spürbar. Denn Schreiben entlastet und klärt.

2. Nimm dir täglich ganz bewusst etwas Zeit zu, um nur zu sein, statt zu tun. Das bedeutet, dass du dich von der bewegten, auch digitalen Welt für eine halbe oder ganze Stunde zurückziehst. Zum Beispiel in Form eines Spaziergangs oder langsamen Waldlaufs, bei dem das Mobiltelefon zu Hause oder im Büro bleibt. Oder beim Lesen oder Musik hören, sofern dich dies beruhigt. Oder wenn du zur Arbeit pendelst, indem du in der Bahn die Augen schliesst und in dich hinein hörst und schaust. - Wenn du bewusst Zeit mit dir verbringst, betrittst du einen inneren Raum. Stell dir dann vor: Hier bist du an einem schönen und sicheren Ort, musst nichts leisten oder „geliked“ werden. Hier ist ein Ort, an dem du verweilen und zur Ruhe kommen kannst. Ich stelle mir jeweils eine Bank an einem Waldrand vor, auf der ich mich für eine halbe Stunde niederlasse, dem Rauschen des Windes in den Blättern und dem Gezwitscher der Vögel lausche.

Norbert Lanter